Mit Die Orpheusfalle möchte ich Ihnen ein Singspiel vorstellen, das sich im Spannungsfeld von neuer Musik, Jazz, Klassik und Elektronik
bewegt. Inspiriert ist mein Singspiel von der griechischen Mythologie, doch anders als beim Mythos von Orpheus changiert meine
Handlung nicht zwischen realer Welt und Hades, sondern zwischen realer und virtueller Welt. Die Protagonisten sind
Orpheus, Eurydike alias Alexa, Odysseus, Penelope, Telemach und Teiresias alias Teresa.
In der Orpheusfalle treffen, zwei in die Jahre gekommene männliche Narrative in einer Zeit des Umbruchs und des Wandels aufeinander.
In der Falle sitzen sie beide – Odysseus, den Blick auf das Machbare gerichtet, verkörpert die äußere Welt und Orhpeus, bereits erblindet,
in sich hinein hörend, die innere Welt. Den tatsächlichen Herausforderungen einer sich wandelnden Wirklichkeit sind beide nicht gewachsen.
Telemach, der Sohn des Odysseus und gleichzeitig das Patenkind von Orpheus, bildet eine Brücke zwischen dem Alten und dem Neuen,
auch wenn er zunächst ebenfalls scheitert.
Teiresias nutzt die moderne Technik um sich, als Avatar von Telemach, aus dem Hades zurück ins Leben zu beamen. Dazu missbraucht
er als virtuelle Teresa die Gefühle des jungen, mit Blick auf die Gefahren der modernen Kommunikationsformen noch naiven Telemach.
Penelope verkörpert eine Frau, die sich im Laufe ihres Lebens aus der Abhängigkeit von Männern gelöst hat.
Die Konsequenz: Als ihr finanzielles Potenzial benötigt wird, um die künstliche Intelligenz Alexa, in die sich der physisch und
technologisch blinde Orpheus verliebt hat, zu einem Leben als Eurydike zu erwecken, fordert sie, Eurydike mit einem
freien Willen zu versehen. Die Erweckung der Eurydike gelingt und so betritt ein neues, noch unbeschriebenes Wesen die Welt.
Ausgestattet mit einem freien Willen erfüllt sie nicht die an sie gestellten Erwartungen, sondern geht ihren eigenen Weg,
dessen Ausgestaltung in der Geschichte offenbleibt.
Zurück lässt sie ratlose Gestalten, die von einem reifer gewordenen Telemach aufgefordert werden: „Try it again“!
So wie die Wirklichkeiten im Libretto, springen auch die Musikstücke unvermittelt durch die Welten, von einer Stilistik in die andere.
Insbesondere bei der Erweckung der Eurydike wird durch das Vermischen und Ersetzen der Orchesterklänge mithilfe von modernen
Samples und anhand von Auszügen aus Beethovens achter Symphonie, auf die sich unweigerlich verändernde Rolle des Musikers verwiesen.
Die Hardware wird vollständig durch die Software ersetzt; Musik wird körperlos, während Eurydike in ihrem Körper erwacht.
Weitere Informationen zur Orpheusfalle finden Sie auf der offiziellen Projektseite: www.orpheusfalle.de